1. Betroffene Arten
Psittakose, auch "Papageienkrankheit" oder "Parrot Fever"
genannt, betrifft nicht nur Papageienvögel, sondern auch andere
Vögel und Säugetiere (4).
Bei Nicht-Papageienartigen wird die Krankheit auch als "Ornithose"
bezeichnet (1).
Einige Arten scheinen eine gewisse genetische Resistenz gegen Psittakose
entwickelt zu haben. Infizierte Tiere dieser Arten zeigen zwar keine
Symptome, bleiben aber nach der Infektion Ausscheider und können
damit zu Weiterverbreitung beitragen. (2)
Genaue Zahlen, welche Arten wie stark betroffen sind, lassen sich wohl
kaum ermitteln; gelegentlich tauchen sehr hohe Zahlen für freilebende
Taubenpopulationen auf (in (2) wird
auf eine Schätzung von bis zu 70 % verwiesen). Hier scheint allerdings,
wie es häufig bei freilebenden Beständen der Fall ist, der
Infektionsdruck nicht so groß zu sein, wie bei in Gefangenschaft
gehaltenen Tieren.
2. Erreger und Übertragung
Verursacher der Psittakose ist das Chlamydium Psittaci. Es handelt sich
dabei um einen Erreger, der zwar üblicherweise den Bakterien zugeordnet
wird, aber auch virale Eigenschaften aufweist (2;
vgl.a. (5)).
Es gibt viele Infektionswege für die Übertragung, da C. Psittaci
in allen Ausscheidungen infizierter Tiere vorhanden ist (5);
meistens geschieht die Infektion durch Inhalation bzw. Aufnahme von
kontaminierten Kotpartikeln, Federstaub, Nasensekret (3).
Die Möglichkeit der Übertragung durch Eier konnte zwar experimentell
nachgewiesen werden, ist aber nach (2)
außerhalb des Labors noch nicht vorgekommen.
Die Inkubationszeit für die akute Form liegt zwischen 3 Tagen und
mehreren Wochen (4). Ob exponierte Tiere
akut oder chronisch erkranken, hängt von Faktoren wie Art und Alter
des Vogels, Streßfaktoren, Virulenz des Erregerstammes, infektiöser
Dosis und auch von der Qualität verbeugender Maßnahmen ab
(4). Darüber hinaus wird als grobe
Näherung angegeben: Über die Atemwege aufgenommene Psittakoseerreger
verursachen den akuten Ausbruch, während die Infektion durch den
Verdauungstrakt eher zur chronischen Form führt (2).
3. Symptome und Diagnose
Obwohl sich die meisten Publikationen in den auffälligsten Symptomen
einig sind, gilt wie bei manchen anderen Erkrankungen auch: Nicht immer
sind die Symptome eindeutig und rechtzeitig identifizierbar; infizierte
Vögel können lange Zeit Ausscheider bei offensichtlich gutem
Gesundheitszustand sein (3). In solchen
chronischen Fällen kann die Krankheit durch Faktoren wie Streß,
einseitige Ernährung bzw. radikale Umstellung der derselben, oder
auch durch Parasitenbefall zum Ausbruch kommen (1).
Durch die Schwächung des Immunsystems können andere Krankheiten
auftreten, deren Symptome diejenigen der Psittakose überlagern
(3).
Die sichtbar erkrankten Tiere sondern sich von den anderen Vögeln
ab, zeigen ein gesträubtes Gefieder, sind matt und appetitlos.
Weitere Kennzeichen sind Ausfluß aus Augen und Nase, auch Durchfall
mit gelbgrünlichem, auch wässerigem Kot, der übel riecht
und in schweren Fällen mit Blut vermischt sein kann. Der Tod kann
schon nach einigen Tagen, aber auch erst nach 2-3 Wochen eintreten.
(1)
Die Diagnose ist insofern nicht so einfach, als kein Testverfahren existiert,
das alle möglichen Fälle abdecken könnte (zur Aussagekraft
von Kottests vgl. z.B. (5)). Selbstdiagnose
ist mit Vorsicht zu genießen; im Verdachtsfall muß immer
ein kundiger Veterinär zu Rate gezogen werden. In (5)
wird m.E. zu Recht argumentiert:
"Ein wichtiger Punkt bei der Bekämpfung der Psittakose ist
die Diagnose. Dabei kann ein falsch negatives Ergebnis, welches einen
Bestand zu Unrecht für 'frei' erklärt, schwerwiegendere Folgen
haben, als ein falsch positiver Befund bei einem Quarantänevogel.
In den letzten Jahren haben die Untersuchungen mehrerer Institute gezeigt,
daß sich Kotuntersuchungen nur bedingt für eine zuverlässige
Chlamydiendiagnostik eignen. Die nach diesen Tests als chlamydienfreie'
Tiere gehandelten Vögel werden u. a. als Ursache der unbefriedigenden
Seuchenlage nach einer Jahrzehnte lang straff angewandten Psittakoseverordnung
angesehen."
4. Behandlung, Vorbeugung
Psittakose wird üblicherweise mit Antibiotika behandelt, und zwar
mit Tetrazyklin oder Tetrazyklinderivaten, und zwar immer der ganze
Bestand. Es wurde bisher nicht beobachtet, daß - wie bei manchen
anderen Krankheiten - nach Überstehen der Psittakose eine Immunität
entwickelt wurde (2).
Die Medikamente werden gespritzt, direkt eingegeben oder unter das Futter
gemischt. Ebenso wichtig ist die intensive unterstützende Pflege:
Wärme, peinlichste Hygiene, kein Streß; unter Umständen
kann der Therapieprozeß durch die Gabe von Lactobazillus und Antimycotica
unterstützt werden (2). In (1)
wird eine jährliche prophylaktische Kur mit Antibiotika empfohlen;
über Sinn und Unsinn der prophylaktischen Gabe von Antibiotika
zu diskutieren, ist hier indessen nicht der Ort. Es sei nur darauf hingewiesen,
daß Behandlungen mit Antibiotika auch den Nährboden für
Pilzerkrankungen bereiten. Prophylaktische Untersuchungen im Jahresrhythmus
sind indessen anzuraten (5).
Bei der Medikation mit Tetrazyklinen ist darauf zu achten, möglichst
auf calciumhaltige Futterkomponenten zu verzichten, da Calcium mit den
Tetrazyklinen reagiert und so den Erfolg der Medikation in Frage stellen
kann (3).
Besonders wichtig während der Behandlung: altere Menschen, Schwangere,
Kranke, Kinder oder Menschen mit geschwächtem/zerstörten Immunsystem
(AIDS-Patienten, Chemotherapie) müssen den Kontakt unbedingt vermeiden
(3).
Ein wesentlicher Punkt der Vorbeugung und der Behandlung ist Sauberkeit
und Desinfektion der Örtlichkeiten, da die Chlamydien im getrocknetem
Kot bis zu drei Monaten überleben können (2).
Quarantäne und die Untersuchung neuer Tieren werden regelmäßig
angeraten (ein sehr umfangreicher Katalog von Präventionsmaßnahmen
findet sich in (4), Abschnitt III).
5. Psittakose beim Menschen
Nach (1) ist die Hauptinfektionsquelle
für den Menschen eingetrockneter Kot, welcher den Erreger enthält,
der mit dem Staub aufgewirbelt wird. Übertragen wird das Chlamydium
durch in Gefangenschaft gehaltene Vögel, aber auch die Infektion
durch Exposition bzw. intensiven Kontakt mit Tauben oder Möwen
treten auf (4). Auch Säugetiere
können in allerdings äußerst seltenen Fälle Psittakose
auf den Menschen übertragen; dies sind dann i.d.R. bestimmte Unterarten
von C. Psittaci, und es müssen schon besondere Bedingungen für
die Übertragung vorliegen (4).
Die Übertragung Mensch-Mensch ist gemutmaßt, aber nicht bewiesen
und sehr unwahrscheinlich (4).
Die Inkubationszeit liegt zwischen 5 und 15 Tagen (4).
Nach 1-2 Wochen beginnt der Mensch an grippeähnlichen Symptomen
zu leiden, hinzu kommen Befindlichkeitsstörungen wie Kopfschmerzen,
Benommenheit, Schwindel und Schwäche. Ein weiteres Anzeichen ist
anhaltend hohes Fieber, das häufig von starken Gliederschmerzen
begleitet wird. Im weiteren Verkauf tritt Reizhusten auf, wobei es ab
der 2. Woche zu einem zähen, glasigen Auswurf kommt. Wichtig ist
die rechtzeitige und treffende Diagnose:
"Wenn die Ursache der Erkrankung in diesem Stadium nicht erkannt
wird, kann es zu einer herdförmigen Lungenentzündung kommen.
Die dann auftretenden, toxisch bedingten Kreislaufstörungen können
vor allem für Kinder und geschwächte Personen lebensgefährlich
werden. Daher sollte der behandelnde Arzt bei derartigen Krankheitserscheinungen
immer auf die Ansteckungsmöglichkeit durch gehaltene Sittichvögel
hingewiesen werden. Bei gezielter Behandlung kann dann der Erkrankte
in kurzer Zeit genesen." (1)
Üblicherweise verläuft die Krankheit beim Menschen abgesehen
von den grippeähnlichen Symptomen harmlos, kann aber bei immungeschwächten
Menschen gefährlich werden (3).
Die Diagnose erfolgt über einen Bluttest, mit dem auf Antikörper
getestet wird (4). Zur Problematik der
Diagnose s. (4). Gefährlich wird
es, wenn die Symptome als Grippe mißverstanden werden; aber bei
den bekannten Fällen liegt die Sterblichkeit deutlich unter 1 Prozent
(4).
Behandelt wird auch hier mit Tetracyclin; die Symptome bessern sich
deutlich nach bis zu 72 Stunden; es muß noch bis zu 14 Tage weiterbehandelt
werden (4)