Die Kakadus von Elke Dahmann:
Elin Elinsdottir (Weißhaubenmädchen, kurz: Elin) und Tubilderborst
Papageno Fitzoblong (Tritonjunge, genannt Tuby)
Ein ungleiches Pärchen....
Elin
bekam ich vor ca. 6Jahren, als halbjährigen Jungvogel!
Ich wollte eigentlich einen Graupapagei und war auf Anraten einer Freundin
zu einer bekannten Händlerin gefahren, um dort eine Handaufzucht
zu erstehen, die ja besonders zahm sein sollen.
Mit diesem Wissen und dem Wunsch nach einem Vogel gerüstet, fuhr
ich also hin.
Dort angekommen, setzte man mich zunächst in ein Besucherzimmer,
gesellte mir - außer einem fast noch nestjungen Graupapagei - noch
etliche andere Vögel dazu. U.a. waren da ein großer Gelbhaubenkakadu,
mehrere Corellas, Edelpapageien und eine kleine Weißhaube.
Ich wurde dann alsbald allein gelassen und saß zunächst völlig
eingeschüchtert zwischen den kleinen Rabauken, die die Gelegenheit
nutzten mich zu zwicken und zu beknabbern, wo sie nur konnten. Die große
Gelbhaube zog mir sogar ein Kämmchen aus den Haaren und Sekunden
später flogen mir dessen Zinken um die Ohren....
Da hatte ich bereits den Entschluß gefasst, dass ein Kakadu keinesfalls
in Frage käme, schon alleine wegen der Größe, des Riesenschnabels,
der mir einen Heidenrespekt einflößte und des hohen Preises!
Nach einer Weile jedoch,sagte die kleine Weißhaube immer sowas wie
"Hallo" zu mir und hoppste auf ihrem Freisitz auf und ab und
signalisierte deutlich, dass sie zu mir wollte. Da sie die Flügel
gestutzt hatte, konnte sie nicht alleine von ihrem Baum kommen und schließlich
bin ich zu ihr gegangen.
Sie hat mich von Anfang an regelrecht umgarnt und einen auf "Baby-Kakadu"
gemacht! Das ist so eine typisch geduckte Haltung mit aufgebauschten Federn
und ganz bedächtigem langsamen Schreit-Schritt, dann wird das Köpfchen
in den Nacken geworfen, der Schnabel ganz weit aufgesperrt und gequietscht
und geschmust, was das Zeug hält....
Jedenfalls war ich nach einer guten Stunde hin und weg, der Graupapagei
war vergessen und ich bin dann erstmal wieder nach Hause gefahren, um
mich von diesen Eindrücken zu erholen.
(Außerdem konnte ich mich mit dem hohen Preis nicht anfreunden,
denn immerhin wollte die Händlerin 5400,-DM für einen Weißhaubenkakadu
haben....)
Nun kam es aber in den darauffolgenden Nächten zu Träumen, in
denen kleine quiekende Weißhaubenmädchen die Hauptrolle spielten
und so redete ich mit meinem Mann und wir beschlossen doch noch einmal
hinzufahren.
Als wir dort angekommen waren und ich auf die Voliere zuging, hatte sie
mich schon von weitem erkannt und kam sofort mit "Hallo" und
Schmusehaltung zu mir - na ja, es dauerte dann nicht mehr lange und wir
haben sie mitsamt Käfig gekauft.
Elin hat ihren Namen von einer meiner Lieblings-Spielfiguren
- einer kleinen Hobbitkämpferin!
Er passt gut, denn sie entwickelte sich zu einer äußerst anhänglichen
und kapriziösen kleinen Schmusebacke, mit einem eisernen Willen und
zäher Beharrlichkeit, wenn sie etwas durchsetzen will. Außerdem
tut sie ohnehin nur, was ihr am besten gefällt und das ist nicht
immer ganz einfach.
Oh - und beleidigt kann sie sein, die kleine Zicke!
Als Einzelvogel hat sie uns eigentlich nie Probleme bereitet, sie wurde
auch sehr verwöhnt und durfte jeden Abend unter der Decke, oder dem
Pullover einschlafen, was ihr besonders großes Wohlbehagen bereitet.
Als sie jedoch vor ca. anderthalb Jahren geschlechtsreif
wurde, fing sie praktisch von einem Tag auf den anderen an, sich die Schwungfedern
abzubeissen, bis sie wie ein gerupftes Huhn aussah und absolut flugunfähig
war.
Bei mir schrillten alle Alarmglocken, denn mittlerweile war ich nicht
mehr ganz unbelesen, was die Kakaduhaltung anbelangte und beschloss, mich
schleunigst nach einem Männchen umzusehen.
Ich habe dann diverse Züchter angerufen, aber nur einer hatte ein
Weißhaubenmännchen. Da er aber weit weg war und das Tier weder
eine verlässliche Geschlechtsuntersuchung, noch andere ärztliche
Untersuchungen vorzuweisen gehabt hätte, habe ich mich dann wieder
an die Händlerin gewandt.
Leider hatte sie nur ein Tritonmännchen, fünf Monate alt - aber
sie versicherte mir, dass - wenn die Vögel sich verstehen würden
- das absolut kein Problem darstelle, und man könne ja, falls es
Probleme gäbe, das Tier innerhalb eines halben Jahres gegen eine
Weißhaube austauschen.
Da mir jetzt absoluter Handlungsbedarf gegeben schien, bin ich dann schnurstracks
hingefahren und habe Tuby geholt....
Tuby
Was anderes ist mir beim Anblick des schwanzlosen Federknäuels nichteingefallen.
Auch seinen Namen habe ich einer Spielfigur entnommen; es handelt sich
um einen kleinen dicken Zwergenkämpfer und so sah der Lütte
auch aus!
In der Voliere hatten sich die Jungvögel untereinander die Federn
zum Spielen abgebissen und Tuby, klein, lieb und doof - hatte es sich
gefallen lassen. Er war also der meisten seiner Schwungfedern und der
Schwanzfedern beraubt, war völlig tappsig und ungeschickt und quietschte
ohne Unterlass nach Nahrung.
Obwohl er - zu Hause angekommen, alsbald versuchte, das Regiment im Käfig
zu übernehmen, ist er ein lieber kleiner Schluffi - neugierig, gar
nicht ängstlich und völlig naiv, sehr lernfähig, muss aber
in der Hackordnung oben sein und lässt aufgrund seiner dominanten
Körpergröße immer den Macho raushängen. (Eben ein
richtiger Mann!)
Er hört gerne klassische Musik, wo er versucht mitzugröhlen
(besonders während der Zauberflöte, deshalb Papageno), was sich
schauderhaft anhört und versucht in der Zwischenzeit menschliche
Unterhaltung oder Stimmen nachzuahmen, was zum Piepen ist!
Mittlerweile ist er ein absoluter Schmuser und liebt es wie ein Reckturner
kopfüber hin und her zu schwingen, sei es an der Hand hängend,
oder an seinem Seil in der Voliere.
Ein Ritual ist: erst ein Küsschen (mit lautem Schmatz) und sich dann
mit Caracho hintenüber fallen lassen, die Beinchen strecken und ....schwing-schwung,
hin und her bis Frauchen der Arm abfällt!!
Eine seiner weiteren Leidenschaften ist technischer Natur. Er ist äußerst
interessiert an allem, was man ab-und anschrauben oder zerlegen kann!
In der alten Voliere hat er zig festangezogene Schrauben mit seinem Riesenschnabel
in Nullkommanix abmontiert. So schnell konnte man gar nicht dagegen anschrauben,
wie er das mit seinem "Instrument" macht. (Ich kann mir jetzt
lebhaft vorstellen, weshalb die Eingeborenen für diese Vögel
die Bezeichnung "Kneifzange" gewählt haben, was Kakadu
ja angeblich bedeuten soll)
Jedenfalls fasziniert ihn nichts so sehr wie Technik und er hat neulich
- nachdem er lange, mit stoischer Aufmerksamkeit meine Anstrengungen beim
Musik aufnehmen studiert hat - versucht die Stereoanlage zu bedienen!
(Vielleicht wäre er am Ende besser mit dem MD-Player zurecht gekommen
als ich....)
Elin und Tuby
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Zwischen den beiden Hübschen existiert nicht gerade das, was man
die große Liebe nennt, und es gibt oft ein Gejage, weil Tuby mal
wieder beweisen muss, wer der Stärkere ist.
Daher war auch die Anschaffung einer neuen Voliere nötig, denn in
der kleineren, saßen sie zu dicht aufeinander und Elin konnte dem
kleinen Bengel nicht ausweichen und war völlig gestresst.
In der großen Voliere klappt es jetzt recht gut. Wenn auch während
des Tages sorgsam auf Abstand geachtet wird, sitzen sie doch abends zum
Schlafen zusammen und putzen sich.
Ich meine, was kann man mehr erwarten, alles andere muss sich halt ergeben.
Schließlich ist Tuby im Gegensatz zu Elin ein "Hosenmatz"
und außer Fressen, Spielen und "den Starken markieren"
interessieren ihn die Frauen noch recht wenig....
Elin hingegen ist sehr an ihm interessiert, hält sich jedoch in respektvollem
Abstand. Sie hat sofort aufgehört mit dem Federn beißen, passt
auf ihn auf und hat ihn in der Hackordnung als über ihr stehend akzeptiert,
was leider dazu führt, dass mein Mann jetzt völlig unten ist
und von ihr neuerdings heftig attackiert und auch gebissen wird. Das ist
schon arg! Sie weiß genau, dass sie nicht beissen darf und wird
auch jedesmal streng bestraft, aber immer wieder gehen ihr die Pferde
durch und sie stürzt sich ganz aggressiv auf ihn.
Wir hoffen natürlich, dass sich irgendwann alles wieder reguliert,
und dass diese Vergesellschaftung gut geht, denn den Kleinen wieder herzugeben
brächten wir nicht über´s Herz.
Für alle Fälle haben wir die neue Voliere mit einem Trenngitter,
das wir bei Bedarf einsetzen können, ausgestattet!
Tuby hat sich übrigens zu einem hübschen, stattlichen Triton-Hahn
gemausert, leider kann er aber immer noch nicht fliegen, da ihm noch Handfedern
fehlen; Elin kann mittlerweile wieder fliegen wie ein Weltmeister......
Ein Nachwort zur Kakadu-Haltung:
Wäre ich damals nicht so naiv gewesen und mit dem gleichen Wissen
ausgestattet wie heute, hätte ich keine Kakadus oder einen anderen
Papagei!
Bitte nicht falsch verstehen, meine Vögel würde ich um keinen
Preis freiwillig hergeben und möchte sie auch nicht mehr missen,
nur sind sie unterm Strich eigentlich keine Haustiere wie ich sie damals
gewollt hatte, nämlich anspruchslos und pflegeleicht!
Ich habe die gutgemeinte Warnung einer Papageienliebhaberin im Ohr, die
da schreibt: Denken Sie daran, Ihr Papagei ist wie ein kleines Kind, nur
dass er nie erwachsen wird....
Und das ist der Punkt! So erlebe ich sie, meine beiden Hübschen;
wie anspruchsvolle Kleinkinder, die ständig beschäftigt und
angemessen gepflegt werden müssen, eine Menge Arbeit machen und auch
gutes Geld kosten!
Der Händlerin muss ich zum Vorwurf machen, dass sie sich zwar als
Papageien-Spezialistin darstellt, mich jedoch sehr schlecht und z.T. wirklich
zwischen Tür und Angel beraten hat.
Es ist auch ein geschickter Verkaufstrick, Leute mit diesen schönen,
charmanten Tieren zusammen zu bringen! Das hat bestimmt nicht nur mich
in der Vergangenheit dazu verführt, sich ohne weitere Hintergrundinformationen
ein wirklich äußerst anspruchsvolles Tier zuzulegen.
Die Vielzahl der Wander- und verhaltensgestörten Tiere spricht da
für sich!
Also - erst wirklich gut informieren, dann abwägen - und dann erst
"Ja" zum Papagei!
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